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Vermutungen
über das Labyrinth
Erzählungen,
LEE Sung-U
ISBN 3-86532-012-0, Festeinband, 240 Seiten, 15.40 EUR
Südkorea hat in den vergangenen vierzig Jahren eine außerordentlich
schnelle Modernisierung erlebt. Nach dem Korea-Krieg (1950-1953) eines
der ärmsten Länder der Welt, mit einer fast ausschließlich bäuerlichen
Bevölkerung, vollzog sich von etwa 1960 an ein rascher Aufstieg. Lee
Sung-U, obgleich erst Mitte 40, hat also einen Wandel erlebt, für
den Europa ein Jahrhundert brauchte. Diese Entwicklung brachte nicht
allein steigenden Wohlstand für immer größere Teile der Bevölkerung,
rapide Verstädterung und damit zuletzt ein Mehr an individuellen Freiheiten.
Erkauft wurde der Fortschritt über Jahrzehnte hinweg mit katastrophalen
Arbeitsbedingungen und einer Militärdiktatur, die von dem Putsch des
Generals Park Chung-Hee 1961 bis in die neunziger Jahre hinein jede
Opposition gewaltsam unterdrückte, erkauft wird der Fortschritt auch
mit zunehmender Vereinzelung, die in Lee Sung-Us Erzählungen mehrfach
ihre Widerspiegelung findet. Obwohl sich Lee Sung-U vor allem der
Gegenwart zuwendet, spielen politische Konflikte in seinem Werk nur
eine geringe Rolle. Vielmehr reflektiert er seine Distanz von der
Politik in zwei Schriftstellerfiguren, die sicher nicht mit ihm gleichgesetzt
werden können, deren Haltung jedoch deutliche Parallelen zu der seinen
aufweisen...
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