Tradition und Moderne
 Japanische Kolonialherrschaft
 Nordkorea und Südkorea
 Koreakrieg
 Entwicklung bis heute
 Gesellschaft
koreanischer Autoren
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 Film
 Musik
 Comics
 Küche
 Literatur

  Das Land Korea


  Tradition und Moderne
Korea ist sowohl ein Land der langen Traditionen als auch — und dies vor allem in den letzten hundert Jahren — ein Land der Umbrüche und der raschen Entwicklung hin zur Moderne. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte sich Korea als asiatisches Königreich dar, dessen Bewohner hauptsächlich von der Landwirtschaft lebten, und dessen buddhistische Tempel zahlreich waren. Heute dagegen ist Korea eine Republik, in der nur noch 13 Prozent der Koreaner auf dem Lande wohnen. Sieben Millionenstädte entstanden, unter denen Seoul mit 20 Millionen Einwohnern die größte ist. Die traditionelle Großfamilie, die auch heute noch eine zentrale Bedeutung in Korea hat, ist faktisch nicht mehr vorhanden. Viele Koreaner wohnen in den Großstädten alleine oder bilden zusammen mit dem Ehepartner eine Kernfamilie. Der Buddhismus, der über Jahrhunderte die dominierende Religion in Korea war, erhielt durch die christlichen Religionen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Korea Einzug hielten, Konkurrenz. Im Jahre 1995 wurde der Konfuzianismus zur Religion erklärt, womit heute in Korea alle Weltreligionen ihre Anhängerschaft haben. Die Veränderungen, die die koreanische Gesellschaft und der Einzelne dabei erfahren haben, wird unter zahlreichen Blickwinkeln von den koreanischen Autoren in ihren Werken beleuchtet.



  Japanische Kolonialherrschaft
Die Zeit der Könige und Königreiche, die sich seit dem Jahre 2333 v. Chr. abwechselten und die gesellschaftliche Ordnung in Korea darstellten, wurde abrupt von der Kolonialherrschaft der Japaner beendet. Diese erklärten im Jahre 1910 Korea zu ihrer Kolonie und besetzten allmählich alle politischen und gesellschaftlichen Positionen im Land, auch mit der Absicht, die Koreaner an die japanische Kultur zu assimilieren. Dies führte zu erheblichem Widerstand in der koreanischen Bevölkerung, zu Attentaten und Selbstmordanschlägen. Im Laufe der Besetzung erstarkte das Nationalbewusstsein der Koreaner und im Jahre 1919 wurde eine Provisorische Regierung in Shanghai und die koreanische Unabhängigkeitsarmee eingerichtet, die in der Mandschurei ihren Hauptstützpunkt hatte. (Lit.: KIM Wonil, Wind und Wasser) Dies alles konnte die Kolonialherrschaft der Japaner aber nicht beenden. Erst der Zweite Weltkrieg und die Kapitulation Japans nach Abwurf von zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki durch die USA befreite auch Korea im Jahre 1945 von den japanischen Besatzungstruppen.



  Nordkorea und Südkorea
Doch die Freude über die Befreiung Koreas währte nur kurz. Im Jahre 1948 wurde die vorher durch die amerikanischen und sowjetischen Siegermächte vorgezogene Trennung Koreas entlang des 38. Breitengrades faktisch umgesetzt. In Südkorea fanden am 15. August 1948 die ersten freien Wahlen statt, in Nordkorea wurde am 9. September 1948 die Demokratische Volksrepublik Korea gegründet.



  Koreakrieg
Durch den von Nordkorea begonnenen Koreakrieg, der von 1950 bis 1953 andauerte, verfestigte sich die Teilung Koreas auch tief im Bewusstsein der Koreaner. Als der Koreakrieg durch ein Waffenstillstandsabkommen beendet wurde, war die Halbinsel völlig zerstört und die Bevölkerung durch die Kriegshandlungen stark mitgenommen. (Lit.: AHN Jung-Hyo, Der silberne Hengst) Bis heute befinden sich beide Staaten miteinander formal im Kriegszustand und werden von einer vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone voneinander getrennt.



  Entwicklung bis heute
Nach Beendigung des Koreakrieges kam Südkorea immer nur für kurze Zeit zur Ruhe. Die gewählten oder sich an die Macht putschenden Präsidenten regierten zunehmend autokratisch und riefen mit ihrem Regierungsstil das Missfallen der Bevölkerung und hier besonders der Studenten hervor. Mehrmals wurde die Verfassung geändert, bis die Situation im Mai 1980 eskalierte, als eine studentische Demonstration gewaltsam und mit zahlreichen Toten niedergeschlagen wurde. Die breite Massenbewegung, die darauf entstand, konnte von Seiten der Machthabenden nicht mehr übersehen werden und allmählich fanden demokratisierende Elemente immer mehr Einzug in die Politik. (Lit.: YI Munyol, Der entstellte Held)



  Gesellschaft
Nicht nur erlebte Korea in den letzten gut hundert Jahren zahlreiche politisch bedingte Umwälzungen, auch war die koreanische Gesellschaft, die sich bis dahin als Großfamilie darstellte, durch die Zunahme der Industrialisierung in den 1960er und 1970er Jahren starken Wandlungen unterzogen. Die Konzentration der Fabriken in den Städten führte zu einem großflächigen Abwandern der Menschen vom Land in die Stadt, um dort Arbeit zu finden. Heute leben rund 86 Prozent der Koreaner in Städten. (SIN, Kyongsuk, Das Zimmer im Abseits)
In den modernen Industriestädten, wie zum Beispiel der 20 Millionen Einwohner zählenden Stadt Seoul ist der Koreaner nun damit beschäftigt, der Vereinsamung zu begegnen (Lit.: JO Kyung Ran, Wie kommt der Elefant in mein Schlaftzimmer) (Lit.: AHN Sohyun, Ein ganz einfaches gepunktetes Kleid) und einen Ausgleich zu finden zwischen konfuzianischen Wertevorstellungen und persönlicher Individualisierung. Von den gläubigen Koreanern — ungefähr 51 Prozent aller Koreaner gehören einer Religionsgemeinschaft an — bekennen sich 45,6 Prozent zum Buddhismus, 38,7 Prozent zum Protestantismus, 13,1 Prozent zum Katholizismus und 0,9 Prozent zum Konfuzianismus. Dieser wurde erst 1995 zur Religion erhoben, hat aber schon immer als Staatsphilosophie das gesamte Bewusstsein der Koreaner durchdrungen. Seine Werte, die der Familie eine zentrale Bedeutung einräumen und vom Individuum Pietät, Loyalität, Zuverlässigkeit und Bescheidenheit einfordern, stehen heute immer mehr im Widerspruch zu den gesellschaftlichen Entwicklungen in Korea. Vor allem die Rollenzuordnung der Frau innerhalb der konfuzianischen Großfamilie lässt sich schwer mit der Emanzipation der Frauen in Korea in Einklang bringen. Diese dringen aufgrund der zunehmenden Bildung immer mehr in ehemals typische Männerberufe ein. Heute leben in Korea 47,6 Millionen Einwohner, wobei der weibliche Anteil 49,3 Prozent und der männliche 50,7 Prozent ausmacht. Mit einer jährlichen Bevölkerungszuwachsrate von 0,63 Prozent und einer Bevölkerungsdichte von 479 Personen pro Quadratkilometer erfreut es sich im Gegensatz zu Deutschland (Bevölkerungszuwachsrate 0,02 Prozent, Bevölkerungsdichte 231 Personen pro Quadratkilometer) auch eines erheblichen Bevölkerungswachstums.